Ein Geschenk des Himmels

Es ist der 29. April 2011. Es ist meine Hochzeit. Meine zweite Hochzeit.

Und es ist ein Tag, von dem ich eine gewisse Zeit nicht wusste, ob er mir noch einmal geschenkt wird. Der erste Versuch liegt hinter mir. Gescheitert. Für eine Weile habe ich geglaubt, dieses Scheitern sei das Größte meines Lebens gewesen. Etwas, das mir etwas genommen hat, das nicht zurückkommt.

Dabei war da immer dieser eine Traum. Er war schon da, lange bevor ich wusste, mit wem ich ihn einmal leben würde. Ich wollte Papa werden. Ich wollte eine Familie gründen. Nicht irgendwann, nicht theoretisch, sondern wirklich. Noch an Silvester ist ein Interview von mir erschienen, in dem ich gesagt habe, dass ich heiraten werde. Und dass ich mir nichts mehr wünsche, als Vater zu sein. Es waren keine großen Worte, eher ein ehrliches Aussprechen dessen, was tief in mir war.

An diesem Morgen steht Christina neben mir. Sie sagt mir, dass ich Papa werde. Sie zeigt mir den positiven Schwangerschaftstest. Ich schaue darauf und begreife nicht, was da gerade geschieht. Mein größter Traum liegt plötzlich vor mir, greifbar, real. Ein Wunder.

Dieses Wunder bleibt nicht bei diesem Moment stehen. Der Tag geht weiter. Ich fahre zum Friedhof, zu meiner Mama. Sie ist vor einem Jahr gestorben. Sie bedeutet mir viel. Zu diesem Zeitpunkt bedeutet sie mir alles. Ich stehe an ihrem Grab und bedanke mich leise bei ihr. Für dieses Hochzeitsgeschenk. Für dieses neue Leben, das gerade beginnt. Für das Gefühl, dass sie noch da ist, auf eine andere Weise. Ich stelle mir vor, wie sehr sie sich gefreut hätte, über Christina, über diesen Tag, über das, was wir gerade werden.

Am Grab treffe ich Ralf, meinen Bruder und besten Freund. Ich schaue ihn an und sage es ihm. Dass ich Papa werde. Er versteht sofort, ohne viele Worte. Es ist dieser eine Blick, der alles sagt. In diesem Moment wird mir klar, wie sich Glück anfühlt. Nicht laut. Nicht perfekt. Aber vollkommen.

Ich habe Christina am 01. Januar 2009 kennengelernt, auf einer Silvesterparty. Diese Begegnung hat mein Leben verändert. Schon auf dem Heimweg sagte ich zu meinem Bruder, dass ich glaube, gerade der Frau meines Lebens begegnet zu sein. Im Oktober 2010 habe ich ihr einen Heiratsantrag gemacht, im Riesenrad über Paderborn.

Und nun ist es dieser 29. April 2011. Unser Hochzeitstag. In meiner Rede spreche ich von meiner Mutter und von dem Platz, den sie in meinem Leben hatte und immer haben wird. Ich sage, es sei kein Zufall, dass sie am selben Tag Geburtstag hat wie Christina. Und ich spreche von der Liebe meines Lebens. Von einer Frau, die da ist, wenn ich sie brauche, die Geduld hat mit meinen Ecken und Kanten, die mich liebt, wie ich bin.

Dieser Tag ist ein Hoch-Tag im doppelten Sinne. Ich heirate die Frau meines Lebens. Und wir tragen bereits das größte Geschenk in uns. Unsere Hannah.

Wir feiern eine wunderbare Hochzeit. Niemand bemerkt, dass Hannah schon auf dem Weg ist. Niemand bemerkt, dass Christina an diesem Abend keinen Alkohol trinkt. Alles ist leicht, alles ist richtig. Und tief in mir weiß ich: Manches, was wir verlieren, verschwindet nicht. Es verwandelt sich.

Ein Geschenk des Himmels.